Schweizer Armee: Tessiner Offizierin kämpft sich trotz Hürden zur Berufsausbildung

Dank ihrer Leidenschaft fürs Reiten konnte Chloé Bernasconi die Rekrutenschule des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere absolvieren.

Heute ist sie Zugführerin in der Veterinär- und Armeetiereabteilung 13.

Die Möglichkeit, die Berufsunteroffiziersschule der Armee zu besuchen, war ihr wegen ihres Offiziersrangs zunächst verwehrt. Dieser Weg stand bisher nur Berufsunteroffizieren offen, die in Herisau zu spezialisierten Fachausbildenden werden.



Die während jahrelanger Reiterfahrung erworbenen Kompetenzen in der Haltung von Pferden sowie das Erlernen anderer Landessprachen ermöglichten Chloé Bernasconi, die Rekrutenschule des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere in Sand-Schönbühl zu durchlaufen.

Als Tessinerin musste sie zu Beginn den Rekrutierungsoffizier überzeugen, der ihrer Muttersprache wegen skeptisch war. Sie setzte sich aber durch und es ergab sich eine Win-win-Situation.

Chloé Bernasconi integrierte sich sofort gut, auch weil sie zuvor als Grafikerin und Polydesignerin 3D in den Kantonen Wallis und Bern gearbeitet und so ihre Französisch- und Deutschkenntnisse perfektioniert hatte.

Aufgrund ihrer Fachkenntnisse und ihrer Begeisterung für die militärische Ausbildung erhielt sie den Vorschlag für die Unteroffiziersschule und wurde Wachtmeister.

Anschliessend absolvierte sie die Offiziersschule der Logistiktruppen und übernahm die Funktion der Zugführerin.

Die Entschlossenheit von Chloé Bernasconi und die Faszination für die militärische Ausbildung führten dazu, dass sie überhaupt weitermachte und trotz anfänglich verschlossener Türen nun das Militär zu ihrem Beruf wird.

Sie war bereits Oberleutnant, als sie sich an der Berufsunteroffiziersschule der Armee (BUSA) in Herisau mit dem Ziel bewarb, fachtechnische Ausbilderin zu werden, eine Funktion, die bisher dem Unteroffiziersgrad vorbehalten war.

Deshalb blieb ihr dieser Weg zunächst versperrt, was auch aus der Antwort auf ihren Brief an Departementschefin Amherd hervorging.

Chloé Bernasconi sah deshalb vorerst von ihrer Bewerbung ab und widmete sich wieder ihrem zivilen Leben.

Zwei Jahre später, an ihrem Geburtstag, erhielt sie einen unerwarteten Anruf: Bern kündigte eine mögliche Änderung des Militärgesetzes an, die neu auch Kandidatinnen und Kandidaten im Offiziersrang an der BUSA zulassen würde.

Chloé zögerte keine Sekunde und packte ihre Chance.

Ein Jahr nach Beginn der BUSA ist Chloé Bernasconi von den Erfahrungen in Herisau begeistert: „Der Erfahrungsaustausch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Truppen sowie die Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden sind sehr bereichernd.“

Die zweijährige Ausbildung, die sie bereits zahlreiche Kompetenzen in verschiedenen Bereichen erwerben liess, schliesst sie Ende 2026 ab.

„An der BUSA geht es nicht um das Führungshandwerk als Offizierin oder Offizier, sondern darum, als Fachperson anpacken zu lernen“, schwärmt Chloé Bernasconi von der praktischen und technischen Arbeit im Gelände.

Sie freut sich, das Gelernte in ihrem neuen Beruf ab 2027 in der Praxis anzuwenden.

Welcher Grad ihr verliehen wird, hängt von den Gesetzesänderungen ab, über die das Parlament im Verlauf des Jahres 2026 entscheidet.

„Wir haben das Privileg, wünschen zu können, in welcher Truppe wir Militärdienst leisten wollen“, sagt Chloé Bernasconi.

Sie ist von den Vorteilen der Rekrutenschule, gerade auch für Freiwillige, überzeugt: „Wir haben das Privileg, wünschen zu können, in welcher Truppe wir Militärdienst leisten wollen, was auch für das zivile Leben bereichernd ist. Es wäre schade, diese Vorteile nicht zu nutzen.“

Ihrer Ansicht nach ist der Mehrwert gross, insbesondere in Bezug auf die erworbenen Fachkompetenzen, aber auch auf die Eingliederung in eine Gemeinschaft.

Interessierten jungen Frauen gegenüber nimmt sie allerdings kein Blatt vor den Mund: „Militärdienst zu leisten, ist eine gute Sache, aber nicht um jeden Preis.“

Die Messlatte ist sowohl für Männer als auch für Frauen hoch: Alle müssen dieselben Leistungen erbringen.

 

Quelle: VBS / DDPS, Kommunikation Verteidigung, Giorgio Krüsi
Bildquelle: © VBS/DDPS

Empfehlungen